http://www.stura.uni-leipzig.de
Referat für Ökologie und AK Umwelt des StuRa an der Uni Leipzig
oeko.verkehr at biomail.de
Die Gruppe
Die Idee zum Netzwerk Klimagerechte Hochschule wurde in Leipzig geboren. Aktiv sind im Moment die Referentin für Ökologie und Verkehr und der AK Umwelt des Stura, die auch sonst eng zusammenarbeiten und schon andere Projekte gemeinsam durchgeführt haben. Die Gruppe besteht aus etwa 5 Leuten.
Das bisherige Vorgehen
Wir haben damit begonnen, uns ein Bild von der Energieversorgung an der Uni und im Studentenwerk zu machen und haben daher verschiedene Gespräche geführt. Alle Ansprechpartner waren eigentlich sehr offen für Austausch, haben sich gerne mit uns getroffen und sich relativ viel Zeit dafür genommen.
Gesprächspartner waren
...an der Uni:
1.eine Mitarbeiterin des Dezernats 4 (Planung und Technik), die für die Energieverträge und für das Energiemanagement verantwortlich ist und z. B. für den Energiebericht verantwortlich ist
2.die Umweltbeauftragte der Uni
3.der Dezernent vom Dezernat 4 (Planung und Technik) selbst, von dem wir vermuteten, dass er die Kriterien für eine Ausschreibung (mit)bestimmen kann
...im Studentenwerk:
4.der Abteilungsleiter Wohnservice/Gebäudemanagement, der für den Betrieb der Studentenwerke zuständig ist
Gesprächsergebnisse
1. Im Gespräch mit der Mitarbeiterin des Dezernats 4 haben wir nur wenige Eckdaten herausbekommen: Woher der Strom (bzw. die Fernwärme) kommt und wann neu ausgeschrieben wird. Sie konnte uns in dem Fall jedoch noch nicht mal ein genaues Datum für die Ausschreibung nennen, da anscheinend ein günstiger Moment (also ein günstiger Strompreis) für die Ausschreibung abgepasst werden soll.
Ein großes Problem bei dem ersten Gespräch war, dass die Mitarbeiterin sehr zurückhaltend war und nicht so recht wusste, was sie uns sagen darf und was nicht. Positiv war, dass sie uns auf Nachfrage und nach Rücksprache mit ihrem Chef den von ihr verfassten Energiebericht der Uni zugänglich gemacht hat.
2. Die Umweltbeauftragte der Uni war sehr begeistert davon, dass wir Kontakt mit ihr aufgenommen haben, ist aber im Hinblick auf die Umsetzung des Projekts wenig optimisisch. Sie ist der Meinung, dass die politische Lage in Sachsen und an der Uni nicht günstig sei für Umweltthemen. Sie selbst beschäftigt sich mit Energiethemen nicht sehr, sie kann zwar über alles mögliche gut Auskunft geben, aber sie wird (vermutlich) kaum die Uni in irgendeiner Form „herausfordern“ oder öffentlich kritisieren. Dazu ist sie zu sehr in die Verwaltung eingebunden. Sie unterstützt unser Ansinnen, kann aber nicht konkret unterstützen.
3. Das Gespräch mit dem Dezernenten war mit Abstand das ergiebigste, aber auch das ernüchterndste. Er konnte ziemlich klar Auskunft geben über den Stand der Dinge und über Möglichkeiten für Ökostrom. Er schien zu Anfang der Sache eher positiv gegenüber zu stehen, sieht aber klare Grenzen.
Das Problem besteht in Leipzig darin, dass die Uni von den Stadtwerken Fernwärme abnehmen muss. Darüber hinaus praktizieren die Stadtwerke eine Kopplung von Fernwärme- und Stromversorgung, die zum Knock-out für Ökostrom wird: Alle KundInnen, die von den Stadtwerken zusätzlich zur Fernwärme auch noch Strom beziehen, bekommen die Fernwärme um ca. 20 % billiger. Fernwärme macht laut Energiebericht 55 % des gesamten Energiebedarfs der Uni aus. Das bedeutet: Auch wenn die Uni zu einem sehr günstigen Preis Ökostrom einkaufen würde, würden die Energiekosten INSGESAMT massiv steigen. Das kann man wohl nur schwer fordern – besonders nicht in Sachsen, wo Unis und Studentenwerk ohnehin unheimlich schlecht ausfinanziert sind.
Inzwischen sind wir dazu übergegangen, zu fordern, dass zumindest ein Teil des Stroms für die Uni über den Ökostromtarif der Stadtwerke bezogen wird (bei dem die Reinvestition in Neuanlagen sichergestellt ist!). Aber auch die Umstellung auf eine geringe Menge Ökostrom lehnt der Dezernent inzwischen kategorisch ab.
Darüber hinaus haben wir vorgeschlagen, nach dem Ulmer Vorbild einen uniweiten Ideenwettbewerb zum Stromsparen zu initiieren, wofür sich der Dezernent aber ebenfalls nicht zuständig fühlte. Wir planen deshalb für das neue Semester einen offenen Brief an den Kanzler, um diese kategorische Abwerhhaltung nicht einfach so hinzunehmen. Darin soll insbesondere die Verpflichtung der Uni angesprochen werden, die sie mit der Unterschrift der Copernicus-Charta eingegangen ist, und auf konkrete Maßnahmen im Klimaschutz gedrängt werden.
4. Der Mitarbeiter des Studentenwerks hat uns besonders nett empfangen, das Verhältnis von StuRa und StuWe sehr gut. Er hat auf der einen Seite Interesse an Zusammenarbeit, insbesondere beim Thema Stromsparen. Auf der anderen Seite hat er einer Preissteigerung für Wohnheimplätze durch den Wechsel zu Ökostrom eine klare Absage erteilt. Das Studentenwerk will unbedingt die Mietpreise auf dem aktuellen Niveau halten und ist sehr stolz darauf, dass das in den letzten Jahren gelungen ist.
Ein großes Problem aus ökologischer und finanzieller Sicht sind die „Warmmieten“, da die Studierenden heizen können und Strom verbrauchen können, soviel sie wollen, ohne mehr dafür bezahlen zu müssen. Das führt zu wenig Anstrengung, Energie zu sparen. Das Studentenwerk will und kann diese Pauschalmieten nicht aufheben (unmöglich, für jedes Wohnheimzimmer einen eigenen Zähler zu betreiben). Deshalb setzt es bereits jetzt auf Sensibilisierung und Information und macht in dieser Richtung wohl schon einiges. Mit ein paar Wohnheimen hat das StuWe auch schon mal an einem DENA-Stromsparwettbewerb mitgemacht, wobei in dem betreffenden Monat bis zu 10% Strom eingespart wurde.
Das Studentenwerk hat bisher immer von den Stadtwerken Strom bezogen und hat noch nie ausgeschrieben, was aber auch in diesem Jahr zum ersten Mal gemacht werden muss. Die Ausschreibung wird mit anderen ostdeutschen Studentenwerken zusammen erfolgen. Wir versuchen auch da, einen gewissen Anteil an Ökostrom unterzubringen, ob das klappt, ist allerdings offen. Das StuWe will die Möglichkeiten "prüfen" und wird weiterhin mit uns in Kontakt bleiben.
Außerdem planen wir mit dem StuWe zusammen jetzt einen Ideenwettbewerb zum Stromsparen sowie andere Sensibilisierungsmaßnahmen, z.B. Infomaterial und Öko-Kinoabende im Wohnheim.
Kampagne?
Da die Fortschritte auf institutioneller Ebene bisher eher mau sind, wollen wir uns jetzt erstmal stärker ins Netzwerk einbringen und auf der anderen Schiene arbeiten: daran, Studierende selbst zu erreichen und zu einem Stromwechsel zu bewegen.
Dafür haben wir bisher Infostände und einen Filmabend (mit dem Film über EWS) veranstaltet. Beides lief ganz gut.
Für das kommende Semester ist eine Filmreihe zum Thema Klimawandel mit Schwerpunkt Energie geplant.