Bio­Essen an der Uni Heidelberg

Bericht der Grünen Hochschulgruppe

Situation
In einer der Mensen an der Uni Heidelberg gibt es nun seit einem Semester täglich ein Gericht aus Zutaten rein ökologischen Anbaus. An manchen Tagen enthält dieses Menü auch Bio­ Fleisch. Es gibt täglich zwischen 60 und 100 Portionen. Das Biomenü kostet 3,50€ und ist somit ca. einen Euro teurer als das normale Tagesessen in derselben Mensa. Zu Beginn des Semesters war das Bioessen oft ausverkauft, also ist es wohl besser angekommen als vom Studentenwerk zuerst vermutet.

Überzeugungsprozess
Um das Studentenwerk zu überzeugen ein Bioessen einzuführen unternahmen wir sehr viel parallel. Wir haben um Besuchs­ und Gesprächstermine gebeten und sind so mit Küchenchef, Einkaufschef und Chef eines der Cafés in Dialog getreten. Wir wurden durch die Lager­ und Kühlräume sowie Großküche der größten Mensa der Uni Heidelberg sowie eines der Cafés geführt. Bei den Besuchen haben wir uns wiederholt nach der Möglichkeit des Einführens eines Bio­Essens erkundigt, alle Zweifel und Gegenargumente notiert um uns danach zu informieren wie man etwaige Bedenken aus dem Weg räumen könnte. Wir erstellten einen Fragebogen und nahmen Kontakt zu Verantwortlichen in Mensen, in denen Bio­Essen bereits eingeführt wurde, in ganz Deutschland auf. Anhand des Fragebogens erkundigten wir uns nach der Bewältigung all der möglichen Schwierigkeiten. (Der Fragenkatalog war eurem sehr ähnlich, bei Bedarf können wir ihn euch gerne zuschicken, wichtigste Fragen waren: seit wann es das Bio­Angebot in der befragten Mensa gab, von wem die Initiative ausging, ob es Widerstände gab, wie gut es angenommen wurde etc. ). Somit konnten wir Erfolgsbeispiele sammeln und eher pessimistische Erwartungen und Befürchtungen des Heidelberger Studentenwerks korrigieren. Des weiteren geriet das Heidelberger Studentenwerk unter Druck, da sich diese Befragung rumsprach und das Studentenwerk einerseits in Erklärungsnot geriet, warum Studierende sich um derartige Informationen bemühen müssen und andererseits hervorgehoben wurde, dass das Studentenwerk Heidelberg noch kein Bio­Essen bieten konnte. Um weiter Druck gegenüber dem Studentenwerk aufzubauen starteten wir eine Unterschriftenaktion mit der wir innerhalb von drei Tagen 1000 Unterschriften von Studierenden sammeln konnten, die sich dafür aussprachen ein Bio­Essen, auch bei einem im Vergleich zum Standardessen teureren Preis, einzuführen. Wir befragten die Studierenden vor verschiedenen Mensen. In diesem Rahmen entstanden auch sehr interessante Diskussionen. Die Meinungen waren vielfältig, im Allgemeinen aber positiv.

Mit den Informationen aus den Befragungen anderer Mensen, den Unterschriften und einigen Argumenten die wir uns vorher überlegt hatten trafen wir uns dann letztendlich mit der Chefin des Studentenwerks. Die Pressesprecherin des Studentenwerks sowie der Einkaufschef der Mensen waren ebenfalls anwesend. Nach einem kurzen Anfangsplädoyer von uns und nach dem Vorlegen der Unterschriften (über die wir das Studentenwerk auch vorher bereits in Kenntnis gesetzt hatten) verkündete die Chefin des Studentenwerks, dass alles vorbereitet sei und man bereits im nächsten Semester probeweise (ca. 2 Jahre) einmal pro Tag ein Bio­ Essen in einer der Mensen einführen wolle. Wir hatten mir mehr Widerstand gerechnet. Offenbar hatten sich die Schritte die wir zuvor unternommen hatten (wiederholte Gespräche, Beharrlichkeit, Anschreiben fremder Studentenwerke etc.) bereits ausgezahlt. Sehr interessiert war das Studentenwerk auch an den von uns gesammelten Unterschriften.

Arbeitsaufwand und Fazit
Der ganze Prozess vom aller ersten Gespräch bis zur Einführung des Bio­Essens dauerte ungefähr ein Jahr. Die Kampagne war insgesamt für die Mitglieder unserer Hochschulgruppe sehr zeit­ und arbeitsintensiv. Die anfänglichen Argumente des Studentenwerks ein Bio­Essen gar nicht einführen zu können waren vor allem aus wirtschaftlichen Gesichtspunkt sehr stichhaltig und gut begründet (v.a. vom Einkaufschef) ­ sie waren also durchaus nicht unvorbereitet bei der Thematik. Teilweise mussten wir auf Termine sehr lange warten bzw. erst Druck aufbauen bis uns zugesagte Führungen etc. auch wirklich realisiert wurden. Bei den jeweiligen Treffen, Führungen, Gesprächen etc. wurden wir aber stets sehr freundlich behandelt. Für uns relativ undurchsichtig war der Sinneswandel. Waren bei den ersten Treffen noch starke Bedenken geäußert worden, so dass wir kaum damit rechneten in naher Zukunft Erfolg zu haben, wurde unserem Gesuch beim letzten Gespräch ganz plötzlich nachgegeben. Die Einführung des Bio­Angebotes wurde vom Studentenwerk sehr unauffällig vollzogen. Es gab weder eine Veranstaltung noch eine auffällige Beschilderung. Wir hatten dem Studentenwerk unsere Unterstützung bei einem Event angeboten und haben dann im Endeffekt eine eigene Flyeraktion gestartet in der wir auf das neue Bioangebot aufmerksam machten und zu einem gemeinsamen Essen einluden.