Bio­Essen in den Mensen der Uni Leipzig

Erfahrungsbericht AstA­Ökologiereferats und AK Umwelt Leipzig

Einführung
Als Alleinversorger von über 30.000 Leipziger Studierenden verfügt das Studentenwerk Leipzig über die Möglichkeit, erheblichen Einfluss auf die Produktionsbedingungen der Lebensmittel zu nehmen, die in den Mensen und Cafeterien angeboten werden. Die Mensa­Policy zielt daher darauf, die Einkaufspolitik des Studentenwerks für den Betrieb der Mensen und Cafeterien zu verändern. Anhand bestimmter Kriterien, die in der Mensa­ Policy festgeschrieben sind, soll nach und nach die komplette Produktpalette daraufhin überprüft werden, ob sie mit Grundsätzen der Nachhaltigkeit und des fairen Handels vereinbar ist – angefangen bei einigen wenigen, aber zentralen Grundnahrungsmitteln, wie z.B Kartoffeln, Nudeln und Reis. So lässt sich auch mit kleinen Schritten einiges bewegen – für die Umwelt, das Klima und für gerechte Löhne! Es geht uns dabei explizit NICHT darum, ein separates „Bio­Essen“ einzuführen, wie es sie an einigen anderen Hochschulen gibt, sondern es geht um die Veränderung der Einkaufspraxis als Ganzes. Die Initiative zur Verbesserung der Umwelt­ und Sozialverträglichkeit der Leipziger Mensen und Cafeterien startete der 2007 neu gegründete AK Umwelt, gemeinsam mit dem damaligen Referenten für Ökologie und Verkehr des Stura.

Vorgeschichte: Fair Trade Kaffee
Einen ersten Schritt in Richtung nachhaltiger Konsum hatte das Studentenwerk bereits einige Jahre zuvor mit der Einführung von Fair Trade Kaffee gemacht – zunächst nur probeweise in der Cafeteria am GWZ, dann aber flächendeckend in allen Einrichtungen des Studentenwerks. Auch dies geschah auf Initiative der damaligen Öko­Referentin und hat sich bewährt: die Studierenden sind offensichtlich gerne bereit, die 10 Cent Aufpreis für die Tasse Kaffee zu bezahlen. Nach anfänglicher Skepsis ist das Studentenwerk heute sehr stolz auf seinen Fair­Trade­Kaffee

Umfrage Bestandsanalyse
Darauf wollten wir (der AK Umwelt) nun aufbauen. Um Argumente pro Umstellung von Seiten der Studierenden einzuholen, führten wir eine Umfrage unter etwa 250 Studierenden durch. In dieser Umfrage stellte sich heraus, dass die Befragten im Durchschnitt bereit wären, über 30 Cent pro Essen mehr für Bio­Produkte auszugeben und 79% der Befragten gaben an, dass sie Bio­Essen im Angebot der Mensa für eine Bereicherung hielten.

Mensa­Policy
Wir erarbeiteten dann zur Festlegung der wichtigsten Grundsätze nachhaltigen Einkaufs die Mensa­Policy. Diese Policy wurde im StudentInnenRat, in den Fachschaftsräten und in diversen Internet­Foren lange diskutiert, mehrmals modifiziert und letztendlich am 01. Juli 2008 mit großer Mehrheit im StuRa­Plenum verabschiedet. Hier einmal die Mensa­Policy in Kürze:

Das Studentenwerk ist sich seiner Verantwortung bewusst und sieht diese darin, eine gesunde Versorgung der Studierenden zu gewährleisten und bei der Tätigung von Einkäufen soziale Aspekte sowie Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen. Das Studentenwerk soll im Einkauf die Selbstverpflichtung eingehen, folgende Grundsätze nachhaltiger Entwicklung zu berücksichtigen:

1. Vermehrter Einkauf von Produkten aus ökologischer Landwirtschaft
2. Ausbau des vegetarischen Angebotes
3. Einhaltung von Sozialstandards (wie den Richtlinien der International Labour
Organization – ILO)
4. Verzicht auf Gentechnik
5. Fisch aus arten­ und umweltschonender Fischerei/ Zucht und Reduktion des
Fischverbrauchs
6. Stärkung regionaler und saisonaler Produkte

Die volle Mensa­Policy könnt ihr unter folgendem Link einsehen:
http://www.stura.unileipzig.de/fileadmin/stura/referate/oeko/einkaufspol...

Die Verabschiedung der Mensapolicy im StuRa bedeutete natürlich nicht, dass die Policy sofort eins zu eins umgesetzt werden konnte. Damit existierte nun lediglich ein offizieller Arbeitsauftrag an die StudentInnenvertretung und besonders an das Referat für Ökologie und Verkehr, im Studentenwerk darauf hin zu wirken, dass der Einkauf nach den in der Policy genannten Grundsätzen organisiert wird. Selbstverständlich hat der Beschluss des StudentInnenRats im Studentenwerk auch Gewicht. Als Dienstleister für die Studierenden ist das Studentenwerk meist gerne bereit, auf die Wünsche der Studierenden einzugehen, solange diese finanzier­ und umsetzbar sind.

Gespräche und Podiumsdiskussion
Nach dem Beschluss im StuRa folgten dann zunächst erste Sondierungsgespräche mit VertreterInnen des Studentenwerkes – hierbei besonders mit dem Einkaufsleiter des Studentenwerks. Dabei kristallisierten sich erstmals die unterschiedlichen Positionen von Studentenwerk und AK Umwelt heraus. Einige Gespräche endeten tatsächlich in der Sackgasse. Im Dezember 2008 erklärte sich das Studentenwerk aber dazu bereit, an einer Podiumsdiskussion zum Thema teilzunehmen und die Argumente pro und contra öffentlich und für alle nachvollziehbar mit den Studierenden auszutauschen. Zu der Diskussion erschienen etwa 70 Personen, die sich noch einmal entschieden für die Mensa­Policy aussprachen und den AK Umwelt in seinen Bestrebungen unterstützten.

Mensa­Ausschuss
Das wichtigste Ergebnis des Abends war, dass die Einrichtung eines gemeinsamen Ausschusses von Studentenwerk und StuRa angeregt wurde. Dieser Vorschlag fand bei allen Beteiligten Zustimmung und könnte die Mensa­Policy durchaus voranbringen. Schließlich müssen Studentenwerk und StuRa bei der Umsetzung eng zusammenarbeiten, um einen guten Mittelweg zwischen Wünschbarem und Machbarem zu finden. Dieser Mensa­Ausschuss ist bereits zweimal zusammengetreten und umfasst neben der Uni Leipzig auch noch die VertreterInnen der anderen Leipziger Hochschulen, die vom Studentenwerk beliefert werden (HTWK, HGB, Hochschule für Musik...). Wir wollen uns nun mindestens vier mal im Jahr treffen und Rechercheergebnisse austauschen, immer wieder Teilziele auf dem Weg zur vollen Umsetzung der Einkaufs­Policy aufstellen und jeweils nachhaken, ob diese
Teilziele erreicht worden sind oder zumindest Bemühungen in diese Richtung angestellt
worden sind.

Begleitende Informationskampagne
Hier nur einmal auszugsweise Links zu unserem Infomaterial, was wir neben den Gesprächen mit dem Studentenwerk für die Studierenden erstellt und in den Mensen immer wieder verteilt hatten, als Ideen für Argumente oder LayOut falls Ihr ähnliche Aktionen plant:
www.stura.uni­leipzig.de/fileadmin/stura/referate/oeko/mensaflyer_druckvorlage.pdf
www.stura.uni­leipzig.de/fileadmin/stura/referate/oeko/StuRaktiv_Artikel.pdf
Vortragsreihe „Aufstand im Kühlschrank“: http://www.stura.uni­leipzig.de/1381.html

Machbarkeitsargument Oldenburg
Da wir in den Gesprächen mit unserem Einkaufsleiter immer wieder mit dem Argument
mundtot gemacht werden konnten, dass die Umstellung in der Größenordnung einer Mensa und zu sozialverträglichen Preisen nicht machbar sei und wir selbst als Studenten eben keinen Einblick in die Größenordnungen und Preise haben, baten wir Frau Senf, Einkaufsleiterin des Studentenwerkes Oldenburg und gleichzeitig Bio­Mentorin, zu einem Gespräch mit unserem Einkaufsleiter nach Leipzig. Die Mensa in Oldenburg gilt als Vorreiter für Mensa­Umstellung auf ökologische Erzeugnisse (http://www.studentenwerk­/oldenburg.de/oekologie/index.html . Sie willigte ein. Im Nachhinein scheint dieses Gespräch mit ihr in unserem Fall eine der sinnvollsten Aktionen gewesen zu sein, da es sehr stark auf den Willen des Einkaufsleiters anzukommen scheint, ob Umstellungen in Angriff genommen werden oder nicht. Als „Kollegin“ sozusagen, die ebenfalls mit denselben Problemen – wenn
auch nicht denselben Größenordnungen – zu tun hat wie Herr Kubaile, wirkten ihre
Argumente bezüglich der Machbarkeit auf unseren Einkaufsleiter viel überzeugender als
unsere bloß ideell basierten.

Erste Erfolgserlebnisse
Das Ganze entpuppt sich als mühsamer und langsamer Prozess, was an anderen Unis
jedoch nicht unbedingt so laufen muss. Erste Erfolge haben wir trotzdem erzielt: neben
Coca­Cola­Produkten sind nun auch die regionale Marke Vita­Cola im Regal vertreten
(Coca­Cola soll schrittweise ganz verschwinden), unsere Kartoffeln kommen nur noch aus regionalem Anbau, das Fischangebot beschränkt sich auf Fisch nach den Greenpeace­ Richtlinien und wir haben neben Kaffee nun auch Fair Trade­Tee und –Schokolade im Angebot. Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit im neuen Mensa­Ausschuss bislang als sehr konstruktiv erwiesen und wird vielleicht bald Früchte tragen.

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