Recyclingpapier an der Uni Leipzig

Erfahrungsbericht AstA ­Ökologiereferats und AK Umwelt Leipzig

Einführung
Universitäten haben einen enormen Papierverbrauch. Oft wird darüber gar nicht weiter
nachgedacht, da Papier ein ganz alltägliches Produkt ist. Aber wenn man sich einmal bewusst macht, welche Unmengen hier täglich durch Drucker und Kopierer und oft auch schnell in den Papierkorb wandern, kommt man doch ins grübeln. An der Uni Leipzig hat der AK Umwelt die Initiative ergriffen, um einen bewussteren Umgang mit diesem Rohstoff anzustoßen. Wir möchten alle Mitglieder der Universität ­ Studierende, Dozierende und Verwaltungsangestellte ­ anregen, sich über die verbrauchte Menge und Herkunft des Papiers Gedanken zu machen, und so einen nachhaltigeren Umgang damit in Gang setzen.

Herangehensweise
Unser erster Schritt war, herauszufinden, welches Papier in den verschiedenen Einrichtungen der Universität benutzt wird. Es stellte sich schnell heraus, dass außer dem StudentInnenrat kaum jemand Recyclingpapier benutzte. Bei einem Treffen mit der Sachgebietsleiterin der Beschaffungsstelle der Universitätsverwaltung stellten wir fest, dass auf dieser Ebene bereits Wert auf Recyclingprodukte gelegt wird. Die Universität hat eine zentralen Onlinekatalog, in dem die Institute und anderen Einrichtungen ihre Büromaterialien bestellen können. Darin sind alle umweltfreundlichen Produkte deutlich gekennzeichnet. Als problematisch erwies sich jedoch, dass bisher nicht darauf hingewiesen wurde, dass das Recyclingpapier in diesem Katalog den gleichen Preis wie das meistbestellte konventionelle Papier hat, und so wahrscheinlich aus Gewohnheit von Vielen weiterhin Primärfaserpapier bestellt wurde.
Daraufhin verfassten wir Schreiben an die Institute und Dekanate, in denen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Recyclingpapier Primärfaserpapier heutzutage in Qualität und Weißegrad in Nichts nachsteht. Die InstitutsleiterInnen und DekanInnen wurden dazu aufgefordert, in ihrem Umfeld die Diskussion anzustoßen und auf Instituts­ beziehungsweise Fakultätsebene auf Beschlüsse zur Verwendung von Recyclingpapier hinzuwirken.
Auch die Fachschaftsräte bekamen einen ähnlichen Brief, in dem die selbst zur Verwendung von
Recyclingpapier aufgefordert wurden und auch von studentischer Seite dieses Anliegen in die
Institute und Fakultäten tragen sollten.

Parallel starteten wir eine kleine Kampagne, in der wir mit Aushängen an den Kopierern in den
Bibliotheken darauf aufmerksam machten, wie ganz leicht doppelseitig kopiert werden kann.
Obwohl fast alle Kopierer in den Bibliotheken doppelseitig kopieren können (auch von der Platte!),
wissen die Wenigsten, wie diese Funktion zu nutzen ist. Nun hängen neben jedem Kopierer kleine
Anleitungen, denen man ganz einfach folgen kann und sich dann nicht nur über den
Umweltnutzen, sondern auch noch über weniger Gepäck im Rucksack freuen kann. Interessant
war in diesem Zusammenhang, dass zum Beispiel in der Bibliothek sogar die dort Angestellten
davon überzeugt waren, dass bei den vorhandenen Kopierern doppelseitig kopieren „von der
Platte“ (zum Bsp. aus Büchern) gar nicht möglich sei. Solche Informationen sollte man also nicht
immer ungeprüft hinnehmen!

In den Copyshops nahe der Uni haben wir uns nach der Möglichkeit erkundigt, auf
Recyclingpapier zu kopieren, woraufhin wir sehr verschiedene Antworten bekamen. Einige Läden waren der Idee gegenüber, mehr auf Recyclingpapier zu kopieren, sehr aufgeschlossen und
freuten sich über die Initiative, andere waren sehr skeptisch. Oft bekam man Argumente bezüglich
der Qualität des Papiers zu hören, das angeblich die Kopierer schneller verstauben ließe und damit einen sehr viel größeren Wartungsaufwand mit sich bringen würde. Glaubt man jedoch dem Umweltbundesamt und den Kriterien des „Blauen Engels“, haben zertifizierte Papiere die gleiche Kopierqualität wie Primärfaserpapier. Nur ein Copyshop verlangte einen Aufpreis von 2 ct pro Seite, wenn auf Recyclingpapier kopiert werden sollte. Fast alle haben aber versichert, dass auf Wunsch auf Recyclingpapier kopiert werden könnte. In einem Brief an die DozentInnen zu
Semesterbeginn baten wir dann darum, die Reader, die in den Copyshops in Auftrag gegeben werden, doppelseitig und auf Recyclingpapier kopieren zu lassen.

Im Rechenzentrum der Uni Leipzig haben wir ebenfalls mit den Verantwortlichen MitarbeiterInnen gesprochen, dort wurde uns allerdings gesagt, dass die Papiersorte, die momentan verwendet wird, besonders gut mit den Hochleistungsdruckern funktioniert und eine Umstellung schwierig
wäre, da wohl die meisten Papiersorten diese Anforderungen nicht so gut erfüllen. Hier muss also in einem längeren Prozess ein Recyclingpapier gefunden werden, das in den Druckern nicht zu mehr Problemen führt als das bisher benutzte Papier.
Ein weiterer Punkt waren hier die Vorblätter, die bei jedem Druckvorgang mit ausgegeben werden. Auf ihnen steht eine Information darüber, welcheR BenutzerIn das jeweilige Dokument ausgedruckt hat. Niemand braucht diese Blätter, sie landen allesamt sofort im Papierkorb. Auch wenn nur eine Seite gedruckt wird, wird zusätzlich noch dieses Blatt mit ausgegeben. Auf die Abschaffung dieser Infoseiten wollte sich das Rechenzentrum aber nicht einlassen, weil es meinte, dass dann die Studierenden ihre Dokumente nicht finden würden.
Fast alle Drucker im Rechenzentrum können doppelseitig drucken, leider ist die Standardeinstellung auf einseitig gestellt. Auf unseren Vorschlag, standardmäßig doppelseitig
einzustellen, reagierte das Rechenzentrum mit Ausflüchten, wie: „Und was ist, wenn jemand
einseitig drucken muss und dann vergisst umzustellen ...?“ Also haben wir erstmal nur Aushänge gemacht mit dem Hinweis darauf, dass man doppelseitig drucken kann, wie diese Funktion eingestellt wird und dass es sogar billiger ist.

Ein Thema, das man bei der Beschäftigung mit Papierverbrauch nicht vergessen darf, sind die Hygienepapiere (Toilettenpapier, Papierhandtücher, ...) Nun, die meisten Hygienepapiere sind
recycelt, allerdings wird zum Beispiel täglich eine Unmenge von Papierhandtüchern verbraucht.
Diesen Verbrauch zu reduzieren und eventuell andere Lösungen zu finden, haben wir uns
ebenfalls zum Ziel gesetzt. Dazu planen wir im Moment eine Aufkleberaktion, die auf den Konsum aufmerksam macht und vielleicht den einen oder die andere dazu bringt, nicht mehr als ein Papier zu benutzen.

Momentane Situation
Da auch die universitären Mühlen sehr langsam mahlen, muss man einen langen Atem haben. Wir werden weiter am Ball bleiben und versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten und einen
bewussten Umgang mit Papier zu fördern. Unsere Arbeit steht noch immer erst am Anfang, deswegen steht auch eine Auswertung noch offen. Langfristig ist unser Ziel, die uniweite Umstellung auf Recyclingpapier zu erreichen. Dass es funktioniert zeigen andere Unis, die bereits
komplett auf Recyclingpapier umgestellt haben.

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